Peking, Anfang Juni 2026.
Ende Mai bis Anfang Juni 2025 war das Chinesisch-Deutsche Institut für Recht erneut Gastgeber zweier Kurzzeitdozenten aus Deutschland. Prof. Dr. Roland Broemel (Goethe-Universität Frankfurt am Main) sowie Till Harnisch (Universität Hamburg) bereicherten das laufende Semester mit Lehrveranstaltungen zu zentralen Gebieten des deutschen Rechts und hinterließen bei den CDIR-Studierenden nachhaltige fachliche wie persönliche Eindrücke.

Deutsches Verfassungsrecht und Europarecht – Prof. Dr. Roland Broemel
Prof. Dr. Roland Broemel, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und einer der Partneruniversitäten des CDIR, übernahm in diesem Semester eine Dozentur, die organisatorisch auf zwei separate Veranstaltungen ausgelegt gewesen wäre. Dass er sich dennoch bereit erklärte, während laufender Semesterverpflichtungen nach Peking zu reisen, verdient besondere Anerkennung.
Inhaltlich führte Prof. Broemel die Studierenden systematisch in die Grundlagen des deutschen Verfassungsrechts und des Europarechts ein. Dabei legte er Wert auf Problembewusstsein und strukturiertes Denken – Qualitäten, die für ein rechtsvergleichendes Studium unverzichtbar sind. Die Studierenden kamen dem Stoff gut entgegen: Aus der parallel laufenden Vorlesung zum Allgemeinen Verwaltungsrecht waren ihnen die Maßstäbe der Rechtmäßigkeitsprüfung staatlichen Handelns sowie Grundzüge der Staatsorganisation bereits vertraut. Ebenso konnten sie auf Vorwissen aus der Kurzzeitdozentur von Frau Melina Braun (Humboldt-Universität zu Berlin) aus dem vergangenen Semester zum europäischen Recht der Digitalisierung zurückgreifen, was ihnen ermöglichte, die Grundstrukturen des Unionsrechts rasch systematisch einzuordnen.
Die Resonanz war bemerkenswert: Mehrere Studierende änderten zum Semesterende ihre Themenwahl für die obligatorischen Abschlusspräsentationen und widmeten sich auf eigenen Wunsch dem deutschen Grundrechtsschutz – ein eindrücklicher Beleg für die Wirkung der Dozentur. Auch einzelne Studierende mit eigenen Forschungsvorhaben im Öffentlichen Recht profitierten von den thematischen Impulsen, die Prof. Broemel gesetzt hat.
Ein besonderer Umstand verdient Erwähnung: Prof. Broemel ist der Doktorvater von Dr. Xiang Li, der als PostDoc am CDIR tätig ist. Ihr Wiedersehen in Peking war ein schöner Beleg dafür, wie die Kurzzeitdozenturen nicht nur institutionelle, sondern auch persönliche wissenschaftliche Verbindungen zwischen den Partnerhochschulen lebendig halten.
Deutsches Gesellschaftsrecht – Till Harnisch
Till Harnisch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Universität Hamburg und seit mehreren Jahrenals u.a. Kursleiter für jene Studierenden verbunden, die sich im dritten Studienjahr für das Masterprogramm Deutsches Recht an der Universität Hamburg entscheiden und dort zusammen mit den deutschen Jurastudierenden AGs und Vorlesungen besuchen. Für die CDIR-Studierenden im zweiten Studienjahr war seine Dozentur damit auch eine erste persönliche Begegnung mit einem Lehrer, dessen Gesicht ihnen von Kommilitonen bekannt ist.
Inhaltlich stand das deutsche Gesellschaftsrecht im Mittelpunkt – und damit ein Rechtsgebiet, das im rechtsvergleichenden Unterricht des zweiten Studienjahres als Gegenmodell zum chinesischen Gesellschaftsrecht behandelt wird. Während das chinesische Recht gesellschaftsrechtliche Formen stärker auf wenige kodifizierte Typen konzentriert und dabei öffentlichem Einfluss sowie staatlicher Steuerungsfunktion merklich mehr Raum lässt, bietet das deutsche Recht mit GbR, OHG, KG und AG ein ausdifferenziertes System privatautonomer Gestaltungsformen, das die Rechtsformwahl an unternehmerischen Bedürfnissen orientiert. Diese konzeptionelle Gegenüberstellung gab den Studierenden einen konkreten Vergleichsrahmen.
Herr Harnisch gestaltete seine Dozentur ausgesprochen abwechlungsreich: Eigens für die CDIR-Studierenden erarbeitete Materialien, Fallbeispiele und moderierte Fragerunden – bei denen die Studierenden zunächst intern auf Chinesisch diskutieren konnten – schufen eine lebendige Lernatmosphäre. Darüber hinaus leitete er im Rahmen seines Aufenthalts einen Moot Court an der China-European Law School der CUPL, in welchem er Bachelor- Studierenden Einblick in die anwaltliche Argumentationskultur und die praktische Relevanz gesellschaftsrechtlicher Fragen vermittelte. Auch für die CDIR-Studierende, die Praktika in deutschen Kanzleien anstreben oder an der Schnittstelle deutsch-chinesischer Unternehmensberatung tätig werden möchten, war der von Herrn Harnisch vermittelte praxisnahe Zugang von besonderem Wert.
Institutioneller Austausch und Ausblick
Beide Dozenten lernten unter Betreuung von Vizedirektor Balduin Benesch das CDIR und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter näher kennen und konnten sich ein authentisches Bild vom Institutsalltag und der akademischen Atmosphäre am CDIR machen. Solche Begegnungen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Selbstverständnisses: Die Kurzzeitdozenturen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern die lebendige Verbindung zu unseren Partneruniversitäten Frankfurt und Hamburg vertiefen und das Netzwerk zwischen den Institutionen und ihren Menschen stärken.
Wir freuen uns auf die Gastwissenschaftler des kommenden Semesters.
Das CDIR dankt Prof. Dr. Roland Broemel und Till Harnisch herzlich für ihren Einsatz, ihre sorgfältige Vorbereitung und ihre aufmerksame, studierendenorientierte Kursführung.

