Erfahrungsberichte aus dem Studienjahr 2025/26

Anzahl: 2

1. Nicolas Brikman von der Goethe-Universität Frankfurt am Main – Wintersemester 2025/26

Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen bezüglich meines Austauschs an der CUPL über das CDIR schildern. Dabei werde ich versuchen, mich weniger auf organisatorische Hinweise sowie Daten und Fakten zu konzentrieren, da diese entweder bereits in anderen Erfahrungsberichten zu finden sind (Anmerkung der Redaktion: siehe Erfahrungsberichte vom Sommersemester 2025) oder man alle notwendigen Informationen ohnehin zu Beginn des Semesters erhält. Ziel dieses Berichts ist es vielmehr, unentschlossenen Studierenden bei der Entscheidung zu helfen, ob der Austausch an der CUPL das Richtige für sie ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass solche Berichte oft der einzige Weg sind, sich vorab einen Eindruck davon zu verschaffen, was einen vor Ort erwartet.

Vorweg kann ich sagen: Ich empfehle den Austausch auf jeden Fall weiter. Wenn der Leser dieses Berichts also ohnehin schon mit dem Gedanken spielt, würde ich empfehlen, den Schritt einfach zu wagen. Was jedoch allen bewusst sein sollte, ist, dass dieser Austausch nicht mit klassischen Erasmusaufenthalten, etwa einem Semester in Barcelona, Rom oder Lissabon, vergleichbar ist. Gerade darin liegt meiner Meinung nach jedoch auch sein besonderer Reiz. Für mich war der Aufenthalt in China eine prägende Erfahrung, die allerdings nicht immer ganz einfach war.

Nachdem alles Organisatorische erledigt war, ging es für mich an einem Spätsommertag von Berlin nach Peking. Ich entschied mich für einen Direktflug, um nicht völlig erschöpft anzukommen, da mir bewusst war, dass bereits am ersten Tag viele Dinge erledigt werden mussten. Vom Flughafen fuhr ich zunächst mit dem Taxi zur Universität und beging dabei direkt meinen ersten Fehler: Ich stieg einfach in ein reguläres Taxi, anstatt über das Handy ein Didi (Anmerkung d.R.: „chinesisches Uber“) zu bestellen. Wie zu erwarten, wirkte sich dies negativ auf den Fahrpreis aus, sodass ich am Ende etwa das Vierfachezahlte. Das ist, denke ich, eine universelle Erfahrung, die mir auch schon auf anderen Kontinenten passiert ist und keinesfalls spezifisch für China steht.

An  dieser  Stelle  vielleicht  schon  ein  paar  Worte  zu  meinen  Erfahrungen  mit  den „Einheimischen“. Die Chinesen sind ein sehr herzliches und aufgeschlossenes Volk. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich mich während der Monate in China stets wohl und willkommen gefühlt habe. Viele Vorurteile und Bilder, die wir im „Westen“ von China haben, stellten sich als falsch heraus. Auch das ist meiner Meinung nach ein guter Grund für diesen Austausch: Die Möglichkeit, eine wirklich andere Kultur kennenzulernen, ergibt sich in Europa nur selten , und ehrlich gesagt auch nicht unbedingt auf außereuropäischen Reisen, da diese oft zu kurz sind, um einen echten Alltag zu erleben.

Ich merke, ich schweife ab. Zurück zu meiner Ankunft an der Universität: Nach anfänglichem Umherirren auf dem Campus fand ich schließlich das International Office, wo mich Mrs. Gao herzlich willkommen hieß. Der nächste Schritt war der Einzug ins Wohnheim. Die Universität stellt ein eigenes Gebäude für internationale Studierende zur Verfügung. Ich würde dringend empfehlen, dort auch unterzukommen, selbst wenn dieser Aufenthalt für viele eine neue Erfahrung darstellen dürfte. Rückblickend muss ich sagen, dass das Leben auf dem Campus einer der entscheidenden Aspekte war, die diesen Aufenthalt für mich so besonders gemacht haben. Das Gebäude entspricht dabei nicht unbedingt dem Standard, den der Leser dieses Berichts vermutlich gewohnt ist. Die Zimmer sind wenig einladend, die Matratzen nur wenige Zentimeter dünn, die Fenster zugig, das Licht grell. Gerade in den ersten Tagen war das nicht immer einfach. Heute vermisse ich diese Zeit jedoch besonders, wenn ich an meinen Aufenthalt zurückdenke. Die Möglichkeit, ständig von Menschen umgeben zu sein, die sich in derselben Situation befinden wie man selbst, macht dieses Campusleben einzigartig. Ich erinnere mich an viele schöne Begegnungen auf den Fluren, im Bad oder im Trockenraum. Kleinigkeiten wie das abendliche Zähneputzen neben Mitstudierenden aus Pakistan, Russland oder Vietnam, während man ganz nebenbei die Regeln des Krickets erklärt bekommt, das Beobachten der Zubereitung spezieller Gerichte oder Gespräche über Alltägliches, all das ist weder zu Hause noch bei einem europäischen Auslandsaufenthalt in dieser Form möglich. Die Universitätskultur wird maßgeblich dadurch geprägt, dass alle zusammen wohnen, essen, lernen, Tischtennis spielen und generell viel Zeit miteinander verbringen. Eine großartige Erfahrung, die ich mir auch für Deutschland wünschen würde. Die Universität wird so von einer Nebensache zum Lebensmittelpunkt, und Freundschaften entstehen ganz selbstverständlich. Besonders interessant ist dabei die Mischung aus CDIR-Stipendiaten, lokalen Studierenden und anderen internationalen Studierenden. So bekommt man nicht nur die Möglichkeit, China kennenzulernen, sondern auch die Herkunftsländer der Kommilitonen. Diese Art von Austausch zieht meist offene und neugierige Menschen an,sodass man selten allein ist und viel gemeinsam erlebt, sei es bei Reisen in Regionen wie die Innere Mongolei odernach Tibet, bei der Erkundung Pekings oder im ganz normalen Alltag auf dem Campus.

Um diesen Bericht nicht zu lang werden zu lassen, spare ich detaillierte Schilderungen einzelner Erlebnisse aus, da diese ohnehin sehr individuell sind. Ich kann jedoch versprechen: In China gibt es mehr als genug zu erleben. Aufgrundseiner Vielfalt wirkt das Land fast wie ein eigener Kontinent. Insgesamt war ich mit der Universität sehr zufrieden. Die CUPL ist trotz ihres guten Rufs im Bereich Jura keine der größten Universitäten Pekings. Die Professoren waren stets bemüht, uns Austauschstudierenden eine gute Zeit zu ermöglichen. Besonders empfehlen kann ich die Veranstaltungen von Professor Zhang Qing, der ein aufrichtiges Interesse an uns hatte und auch in den Pausen oder außerhalb der Lehrveranstaltungen immer für ein Gespräch offen war. Für mich besonders interessant waren die Seminare, die sich nicht nur mit rein rechtlichen Themen befassten, sondern auch kulturelle und politische Aspekte einbezogen. Ich habe hier viel Neues lernen dürfen und erinnere mich gerne an sehr offene Diskussionen zurück, etwas, das man in dieser Form vielleicht nicht unbedingt erwartet. Es bietet sich die Gelegenheit, nicht nur ein neues Land und eine neue Sprache kennenzulernen, sondern auch in einem gänzlich anderen System zu studieren. Im besten Fall führt das dazu, die eigenen Vorstellungen davon, wie die Welt ist oder sein sollte, kritisch zu reflektieren, und sie entweder zu hinterfragen oder sogar zu festigen. Das Interesse an unseren Erfahrungen und Sichtweisen war von Seiten der Professoren dabei stets groß.

Trotz all der positiven Erfahrungen gibt es natürlich auch Herausforderungen, die man nicht unterschätzen sollte. China ist ein Land, in dem es nicht selbstverständlich ist, dass alle Englisch sprechen, in dem einem das Essen manchmal fremd vorkommt und in dem vieles grundsätzlich anders funktioniert. Gerade in den ersten Tagen kann das überfordernd sein. Ich selbst hatte damit nicht gerechnet, da ich unmittelbar zuvor bereits ein Jahr im Ausland studiert hatte und auch sonst viel gereist bin. Hat man diese anfänglichen, anstrengenden und teils überfordernden Tage jedoch hinter sich gelassen, eröffnet sich die Möglichkeit einer einzigartigen Erfahrung, die noch lange nachwirkt. So kann ich mir, nach anfänglichen Zweifeln und der mehr oder weniger ernsthaft geplanten frühzeitigen Abreise, inzwischen sogar vorstellen, ein Master- oder Promotionsstudium in China zu absolvieren. Ausschlaggebend dafür sind die ständigen neuen Eindrücke und vor allem die Menschen vor Ort, die es mit ihrer Neugier und Herzlichkeit, insbesondere auch gegenüber „Ausländern“, leicht machen, sich in dieses besondere Land zu verlieben.

Abschließend möchte ich noch auf die besondere Konstellation eingehen, dass dieses Auslandssemester mit einem Stipendium des CDIR verbunden ist. Dieses erleichtert einerseits die Finanzierung, bietet andererseits aber vor allem eine sehr gelungene ideelle Förderung. Man fühlt sich während des Semesters nicht nur als Student der CUPL, sondern auch als Stipendiat des CDIR. Diese ideelle Förderung reichte von lockeren Treffen über interessante Fachkonferenzen bis hin zu einem Ausflug nach Shanghai, der mir bis heute als eines der Highlights dieses Semesters in Erinnerung geblieben ist. Besonders schön war dabei auch die Möglichkeit, chinesische Studierende aus Nanjing und Shanghai kennenzulernen, mit denen ich auch danach noch in Kontakt stand. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei dem CDIR-Direktorium bedanken, das maßgeblich dazu beigetragen hat, dass wir im Rahmen des CDIR-Stipendiums viele besondere Erfahrungen machen konnten. Ich hoffe, ich konnte interessierten Leser ein Gefühl dafür vermitteln, was sie erwartet, wenn sie sich für diesen Austausch entscheiden. Sollte man Zweifel haben, ob ein solches Vorhaben, gerade im Jurastudium, sinnvoll ist, kann ich nur empfehlen, diese Zweifel und möglichen Gegenargumente für einen Moment beiseite zuschieben und sich auf die Erfahrung einzulassen. Man sollte sich der Schwierigkeiten, die ein Auslandssemester im Allgemeinen und dieses im Besonderen mit sich bringt, bewusst sein, dabei jedoch nicht die Chancen verpassen, die sich hier bieten. Am Ende sollte es weniger darum gehen, wie viel für das Jurastudium anerkannt wird, sondern vielmehr um die Möglichkeit, für ein paar Monate in einem uns so fernen und manchmal doch erstaunlich nahen Land zu studieren.

2. Linda Bellin von der Humboldt-Universität zu Berlin – Wintersemester 2025/26

Ich heiße Linda und studiere derzeit Jura im achten Semester an der Humboldt- Universität zu Berlin. Dank der finanziellen Unterstützung des CDIR konnte ich ein Auslandssemester an der China University of Political Science and Law (CUPL) in Beijing absolvieren. Meine Anreise erfolgte Anfang September 2025, die Abreise Anfang Januar 2026. Während meines Aufenthalts lebte ich im Studentenwohnheim auf dem Haidian Campus, wodurch ich den chinesischen Studienalltag aus nächster Nähe kennenlernen und schnell Kontakte zu einheimischen Studierenden knüpfen konnte. Ziel meines Auslandsaufenthalts war vor allem, einen authentischen Einblick in die chinesische Kultur zu gewinnen, den Alltag vor Ort kennenzulernen und möglichst viel vom Land zu sehen.

Akademisch belegte ich die Kurse Public International Law, Chinese Culture and Law, Chinese Civil Law sowie Chinese Constitutional Law. Ergänzend dazu erhielt ich Sprachunterricht von einem Mitstudierenden, der über das CDIR ausgewählt wurde. Besonders bereichernd war auch die vom CDIR organisierte Exkursion vom 17. bis 19. Oktober nach Shanghai, bei der wir die Tongji- Universität besuchten, an fachlichen Diskussionen teilnahmen und Studierende der Tongji- Universität und Nanjing- Universität kennenlernen konnten.

Durch die Förderung des CDIR war es mir zudem möglich, über Beijing hinaus zu reisen und verschiedene Regionen Chinas kennenzulernen. Ich besuchte unter anderem die Innere Mongolei, Tibet, die Sichuan- Provinz, Shanghai, Hongkong, Xi’an, Guilin und Harbin. Diese Reisen haben mir geholfen, ein besseres Verständnis für die kulturelle Vielfalt und den Alltag in China zu entwickeln. Ohne die finanzielle Unterstützung des CDIR wäre dies in diesem Umfang nicht möglich gewesen. Hilfreich war außerdem die Vorbereitung auf organisatorische Besonderheiten in China, insbesondere durch den CDIR-Vizedirektor Balduin Benesch. Hinweise zu VPN- Verbindungen sowie die Einführung in zentrale Apps wie WeChat und Alipay erleichterten den Einstieg vor Ort erheblich.


Insgesamt hat mir die Förderung ermöglicht, China sowohl akademisch als auch kulturell kennenzulernen. Die gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse werden mir im weiteren Verlauf meines Studiums, insbesondere im Hinblick auf Internationalisierung und die Interpretation internationalen Rechts, von Nutzen sein. Ich danke dem CDIR herzlich für die Unterstützung, die für mich eine große Entlastung dargestellt hat.